Beobachtungsbericht zur Sonnenfinsternis vom 21.06.2001

English Version .
von Heinz Scsibrany
Sichtbarkeitsgebiet Die Sonnenfinsternis war in den afrikanischen Staaten Angola, Sambia, Simbabwe und Mosambik und zuletzt noch in Madagaskar total zu sehen. Aus meteorologischen (je weiter westlich desto besser das Wetter) und politischen Gründen (es bestanden Zweifel an der Sicherheit in Angola) fokussierte sich unser Interesse von Anfang an vorwiegend auf Sambia, dessen Hauptstadt Lusaka in der Totalitätszone lag und wo die Dauer der totalen Finsternis immerhin 3 Minuten 14 Sekunden betragen sollte. Leider waren die Preise für Rundreisen durch dieses an Sehenswürdigkeiten (Tierwelt in den zahlreichen Nationalparks, Viktoria Wasserfälle) reiche, ökonomisch betrachtet aber eher arme Land "Finsternis bedingt" gestiegen. Deshalb wurde die Idee entwickelt, mit einem gecharterten Flugzeug nach Lusaka zu fliegen, dort in Flughafennähe die Finsternis zu beobachten um danach mit der selben Maschine wieder zurück zu fliegen. Diese Idee wurde dann vom Astronomie-interessierten AUA-Piloten Walter Max Schwendenwein mit Unterstützung von Astronomy-Travel und nicht zuletzt auch unter Mithilfe der Austrian Airlines umgesetzt. 
Unser Nachtflug nach Lusaka begann, etwas verspätet am 20.06.2001 um 18.45 Uhr mit dem Abheben des, mit 264 Passagieren und 88.5 t Treibstoff beladenen Airbus A340-300 vom Flughafen Wien. Zum Schlafen kam man, wenn überhaupt nur kurz - war es doch wesentlich verlockender, mit den zahlreichen Gleichgesinnten über die richtige Vorgangsweise beim Fotografieren der Finsternis, über zukünftige und auch vergangene Finsternisse oder über die Beobachtungen des nun unmittelbar bevorstehenden Naturereignisses zu diskutieren. Etwas müde kam man dann nach 8 1/2 Stunden im nächtlich kühlen (8 Grad) Lusaka an, wo man von einem Spalier freundlich lächelnder Damen (um 3.15 Uhr früh !) und den etwas bürokratischen Paßkontroll Beamten empfangen wurde. Nach diesen Formalitäten teilte sich die Gruppe dann in jene, die die noch kurze Nacht zum Beobachten des exotischen Sternhimmels nutzen wollten und jene, die irgendwo im Flughafengebäude noch ein wenig Schlaf nachholen wollten, was jedoch wegen lauter Musik oder dem dröhnenden Geräusch startender Flugzeuge nicht jedem gelang.  Airbus A340 nach der Landung in Lusaka

Nahe dem Flughafen war für die Finsternisbeobachter eigens ein (bewachtes !) großes Areal reserviert, wo teilweise schon in der Nacht Geräte aufgebaut und mit Hilfe der Sterne justiert worden waren. Ich selbst suchte das Beobachtungsareal erst nach Sonnenaufgang auf, und da mir somit keine Sterne als Justierhilfe zur Verfügung standen, stellte ich die Polachse meiner parallaktischen Montierung auf ca. 15 Grad (= geogr. Breite von Lusaka) und orientierte diese nach der Kompassnadel nach Süden, wobei ich die von Max Schwendenwein angegebene Ortsmissweisung von 7 Grad West (= Abweichung der Kompassnadel von der geografischen Nord-Süd Richtung) berücksichtigte. Diese Art der Justierung war für die Finsternisfotografie vollkommen ausreichend.
Beobachtungsareal nahe dem Flughafen
Mit dem näher rücken des 1. Kontaktes (=Beginn der partiellen Phase) füllte sich das Areal zunehmend mit vorwiegend einheimischer Bevölkerung. Der Beginn der partiellen Phase wurde dann mit Trommeln und patriotischen "viva Sambia" Rufen gefeiert und die ab nun fortschreitende Bedeckung der Sonne mit den spärlich vorhandenen Finsternisbrillen und behelfsmäßig mit kleinen Stücken Rettungsdecke (die ich an die Einheimischen verteilt hatte) als Filter beobachtet.

Je näher der 2. Kontakt (=Beginn der totalen Phase) kam, umso öfter wurde vom Platzsprecher auf den magischen Zeitpunkt hingewiesen und umso mehr fiel uns das schwächer werdende Licht und auch die angenehme Abkühlung auf. Auch der zuweilen heftige Wind wurde deutlich schwächer.
2.Kontakt Genau 10 Minuten vor Beginn der Totalität startete ich ein Tonband, das in Minutenabständen die noch verbleibende Zeit bis zum 2.Kontakt ansagte und auch während der totalen Verfinsterung ansagte, wieviel Zeit noch bis zum 3.Kontakt verblieb. Mit jeder Zeitansage dieses Tonbandes stieg die Spannung und auch der Geräuschpegel der kreischenden Einheimischen nahm in dem selben Maße zu, wie die Helligkeit des Himmels abnahm. Auch einige Vögel flogen, von der immer schneller hereinbrechenden Dunkelheit sichtlich irritiert, ziellos und schreiend umher. In den letzten Sekunden vor der Totalität war das Zusammenschmelzen der gleißend hellen, schmalen Sonnensichel im Kamerasucher und die Abnahme der Umgebungshelligkeit zusammen mit den teilweise unartikulierten Lautäußerungen der Beobachter dramatisch zu verfolgen. 

Das Bild links zeigt den 2.Kontakt aufgenommen mit Digitalkamera: f=388mm, f:4.5, 1/800 Sekunde 
Oben um den letzten Sonnenrest sieht man die rot leuchtende Chromosphäre, rechts und links am Mondrand einige ebenfalls rote Protuberanzen.

Das Verschwinden des letzten Sonnenstrahls versetzte die Massen dann vollends in helle Aufregung. Diese Stimmung und der Anblick der verfinsterten Sonne, mit dem Planeten Jupiter links unterhalb am praktisch wolkenfreien Himmel hinterließ wohl bei jedem der Anwesenden einen unvergesslichen Eindruck. 
Das Bild rechts wurde ebenfalls mit der Olympus Digitalkamera C2100 aufgenommen: f=388 mm, f:4.5, 1/8 Sekunde 
Wie man sieht zeigt die Korona die typische runde Form, wie sie für eine hohe Sonnenaktivität charakteristisch ist. Rechts oben auf diesem Bild, ca. einen Sonnen- / Monddurchmesser vom Mondrand entfernt, sieht man den Stern 1 Gemini (=Zwillinge) - es wurde also tatsächlich so dunkel, daß man Sterne sehen konnte (diesen Stern 4. Größe konnte ich allerdings während der Totalität nicht sehen). (Daß es sich bei diesem unscheinbaren Punkt tatsächlich um einen Stern handelt, konnte ich anhand von weiteren Aufnahmen verifizieren.)
Korona
Das nebenstehende Bild zeigt links unten den Planeten Jupiter: 
f=140 mm, f:4.5, 1/5 Sekunde 
(die Brennweitenangabe f=140 mm bezieht sich auf das Kleinbildformat 24 * 36 mm, der tatsächliche Brennweitenbereich der Digitalkamera beträgt 7 - 70 mm).
Verfinsterte Sonne und Jupiter
3.Kontakt Die 3 Minuten 27 Sekunden Totalität (der Flughafen liegt nördlich der Hauptstadt, somit näher zur Zentrallinie der Finsternis und hatte daher eine längere Totalitätsdauer) vergingen wie üblich viel zu schnell, wobei mir noch wertvolle Sekunden vorloren gingen, weil der Drahtauslöser der Weitwinkelkamera beim Versuch diese auszulösen abriß. Das zuvor erwähnte Tonband erwies sich nun als besonders nützlich, weil ich dadurch 30 Sekunden sowie 15 Sekunden vor dem 3. Kontakt auf das nahende Ende der Totalität hingewiesen wurde. 
Das nebenstehende Bild zeigt den 3. Kontakt: f=388 mm, f:4.5, 1/200 Sekunde 
(die 6 Strahlen die von der sehr kleinen Sonnensichel ausgehen sind in der Digitalkamera entstanden). 
Die nebenstehenden Aufnahmen zeigen das Perlenschnurphänomen beim 3.Kontakt mit einem Teleobjektiv 500 mm f:8 + 2-fach Konverter, 1/1000 Sekunde auf Kodak Farbwelt 100 ASA. Dabei wird die sehr schmale Sonnensichel durch Mondberge in einzelne Lichtpunkte unterteilt, die binnen Sekunden zu einer durchgehenden Sichel verschmelzen.. Perlenschnur 3.Kontakt Perlenschnur 3.Kontakt Perlenschnur 3.Kontakt
Für mich war das die bisher erfolgreichste Beobachtung einer Totalen Sonnenfinsternis. Auch mein Eindruck von Sambia war überaus positiv - die Menschen sind kontaktfreudig, sehr freundlich und hilfsbereit.


Einige Links zum Thema:
Vorschau auf Sonnenfinsternisse 2006 bis 2009.
Mondschatten vom Wettersatelliten gesehen als animated GIF.
Sehr schöner Finsternisbericht von Kurt Varmuza
Einige Ergebnisse von Richard Bareford: Video und einige Fotos
Weitere Berichte von Bob Yen und Eric Flescher.

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Letzte Änderung am 9.04.2006..